Farbe als Ausdruck von Licht, Leben und Bewegung
Ich bin 1945 geboren und lebe in Kerpen. Mein Weg zur Malerei war kein geradliniger. Schon als Jugendlicher beschäftigte ich mich mit der Ölmalerei. Beruf, Hausbau und Familie ließen dieses frühe Interesse später zunächst in den Hintergrund treten. Die kreative Auseinandersetzung mit Farbe blieb jedoch bestehen.
In den 1990er-Jahren begann ich, mit Seidenmalfarben zu experimentieren. Dabei lernte ich die besondere Beziehung zwischen Farbe und Wasser kennen – ein Erlebnis, das für meine spätere künstlerische Entwicklung von großer Bedeutung werden sollte.
Nach meinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2003 fand die Malerei wieder einen festen Platz in meinem Leben. Ein Aquarellmalkasten, den mir meine Kollegen zur Verabschiedung aus dem Berufsleben schenkten, wurde zum Anstoß für einen neuen künstlerischen Anfang. 2004 begann ich, mich bei der Volkshochschule intensiv mit den Grundlagen der Aquarellmalerei auseinanderzusetzen. Seitdem ist das Aquarell zu meinem bevorzugten und inzwischen ausschließlichen Medium geworden.
Das Aquarell – zwischen Planung und Überraschung
Was mich am Aquarell bis heute fasziniert, ist seine besondere Verbindung von bewusster Gestaltung und Unvorhersehbarkeit.
Anders als bei vielen anderen Maltechniken lässt sich der einmal begonnene Farbfluss nur bedingt kontrollieren. Wasser und Pigment entwickeln auf dem Papier eine eigene Dynamik. Der Maler kann diesen Prozess vorbereiten, beeinflussen und lenken – vollständig beherrschen kann er ihn jedoch nicht.
Genau darin liegt für mich ein wesentlicher Reiz.
Jedes Bild ist eine Überraschung.
Mit zunehmender Erfahrung habe ich gelernt, die Eigenheiten verschiedener Papiere, Farben und Wassermengen einzuschätzen. Ich weiß heute, wie ich bestimmte Wirkungen vorbereiten kann. Trotzdem bleibt der Augenblick, in dem Wasser und Farbe miteinander reagieren, ein offener Moment.
So entsteht meine Malerei aus einem Wechselspiel von Absicht und Zufall, Kontrolle und Freiheit.
Das Aquarell wird für mich dadurch nicht zu einer bloßen Technik, sondern zu einem Dialog zwischen mir, dem Motiv und dem Material.
Die Farbe als eigentliche Protagonistin
Im Mittelpunkt meiner Malerei steht die Farbe.
Mich fasziniert insbesondere die Farbigkeit der Natur. Blumen sind deshalb zu einem meiner wichtigsten Motive geworden. Vor allem die Mohnblume hat mich immer wieder beschäftigt. Ihr intensives Rot, ihre Transparenz und ihre fragile Erscheinung bieten eine nahezu unerschöpfliche Möglichkeit, über Farbe und Licht zu sprechen.
Dabei geht es mir nicht darum, die Natur möglichst genau zu kopieren. Ich möchte vielmehr ihre Farbwirkung aufnehmen und intensivieren.
Aus dem beobachteten Motiv entsteht dadurch eine eigene malerische Wirklichkeit. Die Farbe darf stärker, leuchtender und unmittelbarer werden, als sie uns im alltäglichen Sehen vielleicht erscheint.
In meinen Blumenbildern kann sich deshalb die Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion zunehmend auflösen. Die Blüte bleibt erkennbar, doch gleichzeitig wird sie zu einer Komposition aus Farbflächen, Linien, Transparenzen und Licht.
Das Motiv ist Ausgangspunkt – die Farbe wird zum eigentlichen Erlebnis.
Zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion
Meine Malerei lässt sich nicht auf ein einzelnes Motivgebiet festlegen. Neben Blumen entstehen Landschaften, Menschen, Tiere, Stillleben und Szenen aus dem täglichen Leben. Daneben gibt es Arbeiten, in denen ich mich stärker von der gegenständlichen Darstellung löse und abstrakte Bildwelten entwickle.
Gemeinsam ist diesen unterschiedlichen Themen meine Suche nach dem besonderen Ausdruck eines Motivs.
Mich interessiert nicht nur, was ich sehe, sondern vor allem, welche Stimmung ein Motiv in mir auslöst.
Eine Landschaft kann durch Licht und Farbe zu einer Erinnerung werden. Ein Gesicht kann mehr erzählen als seine äußere Erscheinung. Ein Tier kann durch eine ungewöhnliche Farbgebung plötzlich eine heitere oder beinahe menschliche Ausstrahlung bekommen.
So entsteht meine Bildsprache aus der Verbindung von Beobachtung und persönlicher Interpretation.
Farbe darf Freude machen
Meine Bilder sollen den Betrachter nicht ausschließlich zum Nachdenken bringen. Sie dürfen auch Freude bereiten.
Die intensive Farbigkeit meiner Aquarelle ist deshalb bewusst ein wichtiges Gestaltungsmittel. Ich möchte Bilder schaffen, die unmittelbar wirken und eine positive Stimmung vermitteln.
In früheren Ausstellungen wurde gerade diese farbenfrohe und lebensbejahende Qualität meiner Arbeiten hervorgehoben. Dabei entstand auch der Wunsch, mit meinen Bildern beim Betrachter ein Lächeln hervorzurufen.
Diese Haltung entspricht meinem Verständnis von Kunst: Ein Bild darf anspruchsvoll sein, ohne seine Lebensfreude zu verlieren.
Die Engel – eine andere Seite meiner Malerei
Eine besondere Werkgruppe bilden meine Engel-Aquarelle, mit denen ich mich seit 2013 beschäftige.
Die Engel haben meine Malerei um eine zusätzliche, symbolische Ebene erweitert. Während Blumen, Landschaften oder Menschen unmittelbar aus der sichtbaren Welt hervorgehen, bewegen sich die Engel zwischen Gegenständlichkeit, Symbol und Imagination.
Ihre Bedeutung möchte ich dabei nicht festlegen. Für den einen Betrachter können sie Schutz und Zuversicht verkörpern, für einen anderen Hoffnung, Trost oder einfach eine poetische Vorstellung.
Die Engel-Serie hat inzwischen einen bedeutenden Platz in meinem Werk eingenommen. Ein großer Teil dieser Arbeiten wurde 2020 in der Kapelle St. Maria Magdalena und Lazarus auf dem Kölner Friedhof Melaten gezeigt. Weitere Präsentationen folgten unter anderem in Frechen und 2025/26 in der Kirche St. Maria-Königin in Kerpen-Sindorf.
Lernen als Bestandteil des künstlerischen Weges
Meine künstlerische Entwicklung ist bis heute von der Bereitschaft geprägt, Neues zu lernen und unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen.
Im Laufe der Jahre besuchte ich zahlreiche Workshops renommierter Aquarellisten, darunter Andreas Felger, Ekkehardt Hofmann, Prof. Gerlinde Gschwendtner, Sabine Hilscher, Christina Jurek, Karin Kuthe, Martin Lutz, Maf Räderscheidt, Heinz Schweizer, Bernhard Vogel und Brigitta Zeumer. Darüber hinaus arbeitete ich in der Kölner Malschule und an der Internationalen Kunstakademie Heimbach. Malaufenthalte führten mich unter anderem in die Toskana, nach Rügen, nach Sommerhausen und in die Schweiz.
Diese Erfahrungen haben meine eigene Bildsprache nicht ersetzt, sondern erweitert. Künstlerische Anregungen werden für mich erst dann wertvoll, wenn sie in die eigene Wahrnehmung und den eigenen Ausdruck übergehen.
Ein persönlicher Weg zur eigenen Bildsprache
Seit 2013 bin ich Mitglied des Kölner-Maler-Kreises. In zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen konnte ich meine Arbeiten einem interessierten Publikum vorstellen.
Wenn ich heute auf meinen künstlerischen Weg zurückblicke, steht für mich weniger die Entwicklung einer bestimmten Technik im Vordergrund als die zunehmende Freiheit im Umgang mit Farbe.
Das Aquarell hat mir dafür ein ideales Medium gegeben.
Es zwingt mich, Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig offen zu bleiben. Es verlangt Erfahrung, aber auch Vertrauen. Es erlaubt Planung, lebt jedoch von dem Moment, in dem Wasser und Farbe ihren eigenen Weg finden.
Vielleicht liegt genau darin das Wesen meiner Malerei:
Ich möchte nicht nur abbilden, was ich sehe. Ich möchte sichtbar machen, was ich empfinde.
Farbe ist dabei mein wichtigstes Ausdrucksmittel – sie gibt meinen Bildern Licht, Bewegung und Leben.
Und wenn ein Betrachter vor einem meiner Aquarelle innehält, etwas von dieser Freude an Farbe spürt und vielleicht sogar für einen Augenblick lächelt, dann hat meine Malerei ihr Ziel erreicht.